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Wir bauen Zündkabel...
Geschrieben am 23.October. um 00:05:18 von w123de

Garage und Werkstatt

Zündkabel gehören zu den Teilen, die bei der Wartung ganz gerne völlig vergessen werden, wenn der Wagen nicht Glück hat und ein Marder für die Notwendigkeit des Austauschs sorgte. Nach so fünfzehn bis dreissig Jahren im Einsatz sind die Kabel normalerweise hinüber und verantwortlich für Zündaussetzer und anderes Ungemach. Der Bericht beschreibt den verhältnismäßig preiswerten Tausch der Kabel. Beschrieben werden die Kabel am M 110, die Vorgehensweise ist aber für die anderen Benziner übertragbar. Welche Anschlüsse dran gehören, da berät der Boschdienst gerne.



Nachdem unser 280 S in den letzten Wochen seinen Spitznamen "Sprotzel" immer mehr gerecht wurde und sowohl beim gleichmäßigen Fahren als auch beim Beschleunigen immer öfters mit Leistungsaussetzern zu kämpfen hatte, war es wirklich an der Zeit, sich mal um die Sache zu kümmern. Zum Glück wohnt Markus Trompka von der www.matrom.de ganz in der Nähe und hat mich eingeladen, diesem Gesprotzel mal auf den Zahn zu fühlen. Im Prinzip gibt es für stotternde Leistungsentfaltung beim Vergaser-M110 zwei Ursachen: Probleme mit der Elektrik *grusel* oder Probleme beim Solex 4A1 *GRUSEL*


Also erstmal Kopf unter die Haube gehalten. Mit dem Ohr sofort erkannt, gibt es laufend irgendwo Spannungsüberschläge. Mit Wasser aus der Sprühflasche den Verteiler eingesprüht, ging der Motor gleich sofort erstmal aus. Da die Zündkabel noch im unveränderten Auslieferungszustand vorhanden waren (schmuck blau und 27 Jahre alt) waren also die Hauptverdächtigen gleich ausgemacht: Die Zündkabel. Ich musst zugeben, dass ich nach einem Blick in die Preisliste die Dinger einfach noch nie habe wechseln wollen. Neu bei Beru, Bosch oder Daimlers gekauft verschlingen die Dinger das frei verfügbare Einkommen mehrerer Monate!

 

Praktischerweise hatte Markus für seinen Porsche 928 aber die entsprechenden Teile zum Selberbasteln schon auf Lager liegen, da die Kabel für einen Porsche nicht nur ob der acht Zylinder gleich das frei verfügbare Einkommen eines halben Jahres kosten würden.

Was man für die Arbeit braucht, ist eine sogenannte Ansetzzange von Beru oder Bosch. Ich vermute mal, dass die einem der Boschdienst bereitwillig leihen würde, da die folgende Arbeit eher frickelig ist und auch eher nicht bezahlt wird. Im Prinzip wäre jedoch selbst der Erwerb einer neuen Zange bei einem Satz Kabel schon verdient. Wer also mehrere Autos im fragwürdigen Alter hat, dem kann ich diese Zange nur als Zuwachs für die Werkzeugkiste anempfehlen.

Vom Teilehändler oder Boschdienst muss man sich noch folgende Sachen kaufen (hier für einen M 110 von 1977, bei anderen Verteilern mögen die Anschlüsse anders aussehen):

- Silikon-Zündkabel, beim M 110 ca. 5 laufende Meter von der Rolle
- Kabelendstücke mit der Bosch-Teilenummer 1 350 521 001 (oder entsprechende Beru-Teile)
(benötigt werden je Kabel zwei Stück plus ne Hand voll zum Kaputtmachen und Runterschmeißen)
- Winkelstecker für die Verteilerkappe Bosch-Teilenummer 0 356 250 024
(benötigt werden je Zylinder eins plus das Hauptkabel zur Zündspule)
- die langen Kerzenstecker sollten sich von den alten Kabeln zerstörungsfrei abschrauben lassen, ich hab hier mal exemplarisch einen abgebildet, damit ihr ihn erkennt, wenn ihr ihn seht. Ansonsten sollte der Teilehändler anhand des Bildes das Teil besorgen können.

Als Werkzeug benötigt wird:
-Ansatzzange (wie oben beschrieben)
-scharfer Seitenschneider
-scharfes Messer
-im Idealfall Zündkerzensteckerabziehzange, beispielsweise von Hazet
-Silikonspray, WD40 oder sonstiges Gleitspray (wahrscheinlich funktioniert auch Fluidfilm ;) )
Dann gehts ans Werk. Altes Kabel ausbauen, Zündkerzenstecker abschrauben. Verteilerstecker lässt sich nicht abschrauben, der geht in den Müll.

Anhand des alten Kabels die Länge abmessen (ist übrigens auch nicht verkehrt, die dann am Objekt noch einmal gegenzuprüfen, ich hab mich sieben Mal verschätzt) und die Isolierung ca. einen cm mit dem scharfen Messer abschneiden.

Auf der Ansatzzange ist die notwendige Länge der rausstehenden Kabelseele eingezeichnet, anhand dieser dann die Seele genau auf diese Länge abzwicken (bei diesen Steckern war das 6,8 mm)

nn drehen wir vorsichtig die Endkappe auf das Kabel, so dass die Seele in die Spitze verschwindet und die Kabelisolierung im Blech der Zugentlastung verschwindet.

Dann nehmen wir die Ansatzzange und crimpen zuerst die Zugentlastung. Ist mit Symbolen ganz gut eingezeichnet, in welche Öffnung das Kabel gehört.

Dabei die Zange so lange zusammen drücken, bis sie von alleine wieder auseinander gehen würde. Ist mechanisch mit so einer Sperre ganz gut gelöst.
Die selbe Übung machen wir dann noch einmal mit der Spitze, damit die Seele mit der Spitze guten Kontakt hat

Manchmal ist es notwendig, dass man die Spitze vorsichtig mit der Zange wieder gerade biegt. Wenn man dann Kabel und Stecker mit Silikon- oder sonstiger Gleitspray ordentlich einsprayed, lassen sich die Stecker recht geschmeidig aufschrauben. Nur so lange drehen, bis fest, da man sonst allzuschnell die Spitze abdreht.

Sind auf beiden Seiten die Stecker aufgebaut, ist das Kabel einbaubereit. Wahrscheinlich ist es zu lang ausgefallen, dann baut man es halt erstmal einen Zylinder weiter hinten ein. Und macht dann noch einmal ein kürzeres Kabel.

Für das Zündspulenkabel gibt es auf der Zündspulenseite noch einen speziellen Stecker, der in das Kabel gedreht wird (vorher die Schutzhülse auf das Kabel stecken, geht dann leichter) Leider hab ich da die Teilenummer nicht zur Hand, da ich den Stecker aus Markus seiner Kruschtelkiste entwenden konnte.

Alle Kabel ausgetauscht, sah es unter der Haube dann auch schon viel besser aus

Nachdem wir dann auch noch Verteilerkappe und -läufer gewechselt, Unterbrecher getauscht und Schließwinkel sowie Zündzeitpunkt eingestellt hatten, lief der Wagen gleich deutlich besser. Naja, wenn da nicht noch der Kondensator wäre, der hin und wieder durchschlägt...

Mein Dank an Markus erstmal für die Arbeit!


 
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