EberhardWeilke schreibt "Gerade im Winter klagt manch Dieselfahrer über ein schlechtes Starten seines Wagens. An einem gemütlichen Abend lässt sich der Anlasser wieder soweit flott machen, dass er auch bei großer Kälte den Motor hinreichend flott durchdreht.
Die Temperaturen fallen, die Forumsbeiträge zum Thema schlecht startender Diesel werden zahlreicher. Damit auch der älteste Wagen wieder ordentlich startet, gilt es, fünf Punkte zu beachten:
- Ventile ordentlich einstellen.
- Batterie mit ordentlicher Kapazität und vor allem ordentlicher Ampereabgabe einbauen. Von Banner gibt es beispielsweise die 50 500, die mit 700 Amp Kaltanlassstrom strunzt, das dreht auch einen zähen Motor wieder durch.
- Motoröl mindestens 15 W 40, besser noch 10 W 40 einfüllen.
- überprüfen, ob die Einspritzdüsen noch in einem guten Zustand sind.
Wenn das alles halbwegs in Ordnung ist, kann man sich fünftens um den Anlasser. Wenn er eines morgens überhaupt nicht mehr durchdreht, ist es eh zu spät, allerdings lässt seine maximale Kraftabgabe auch schon vorher schleichend nach. Es gibt noch ein paar Boschdienste, bei denen es alte Meister gibt, welche eine Revision durchführen, meistens wird einem aber heute ein Austauschteil angeboten. Wie man an einem gemütlichen Schrauberabend selbst das Ding wieder halbwegs flott kriegt, sei hier beschrieben.
Ausbau
Der Ausbau ist kein Hexenwerk, am einfachsten geht man von unten die Sache an. Bevor man loslegt, dringend die Batterie abklemmen, da an den Anschlüssen dauerhaft ungesichert Spannung anliegt und man durch unbedachtes Hantieren mit einem Schraubenschlüssel lustige Lichtbögen verursachen kann.
Ist die Batterie abgeschlossen, schraubt man alle Kabel ab (und merkt sich die Klemmen), häufig findet sich noch ein Abstützblech an der Anlasserrückseite, das muss natürlich auch weg.
Dann die zwei Befestigungsschrauben raus, Anlasser am Längsträger vorbeifädeln, manchmal ist es hilfreich, dazu den Motor leicht anzuheben (wenn die Motorlager schon ermüdet sind)
Hat man den Anlasser dann auf der Werkbank, erfolgt das
Zerlegen

Am besten klemmt man das Ding zärtlich in einen großen Schraubstock und putzt erstmal das Gehäuse. Zuerst kommt der Magnetschalter dran, das ist dieser seitliche Kloben. In ihm sitzt ein dicker Elektromagnet, welcher hinter dem Anlasserritzel über eine Gabel die Welle zur Schwungscheibe hin drückt. Das schaltet auch den Strom auf den Anlassermotor und schon dreht sich der Motor. Kommt der Motor oben auf Drehzahl, drückt er das Ritzel wieder vom Zahnkranz auf der Schwungscheibe.
Zur Demontage des Magnetschalters löst man die zwei dicken Kreuzschlitzschrauben und versucht, sie nicht gleich zu vermurksen. Schlaue Menschen kaufen vor der Reparatur bei Bosch zwei neue Schrauben, Unschlaue hoffen, dass der Mensch, der das nächste Mal den Anlasser zerlegt, einen persönlich nicht kennt. Hilfreich ist es, beiden Schrauben mit einem Hammerschlag auf den Schraubendreher eins auf das Haupt zu geben. Hilfreich ist es auch, einen Schraubendreher mit Sechskant zu haben, auf den man einen Ringschlüssel steckt, so dass man mit der Brust Druck und mit der Hand Drehmoment geben kann. Keine Bange, aufgehen werden die Schrauben und aufgehen müssen die Schrauben.

So, dann liegt der Magnetschalter auf dem Tisch. Hier säubert man alles und achtet darauf, dass der Magnet sich leicht bewegen lässt. Etwas WD-40 aufgetragen, ist der Arbeitsschritt abgeschlossen.


Oben links sieht man übrigens das Ende der Einrückgabel, auf die später der Magnetschalter wieder draufgefummelt werden muss. Das Wort "gefummelt" habe ich mit Bedacht gewählt, es ist ein der Tat ein klein wenig trickreich. Aber nicht verzagen, das haben andere vor Euch auch schon geschafft...
In der Mitte des Rückdeckels ist noch einmal ein kleiner Deckel, der mit zwei Schrauben befestigt ist. Abschrauben und später wieder mit Molykotefett füllen. Hinter dem Deckel ist ein Sprengring und eine Unterlegscheibe. Beides demontieren und Einbaureihenfolge merken. Jetzt kann man links und rechts außen die zwei Mutter lösen und das Gehäuse abziehen. Beim Abziehen kommen auch die Kohlen zum Vorschein, die man sinnvollerweise sich neu als Ersatzteil vorher besorgt hat. Wir haben das natürlich nicht gemacht, allerdings ist die Reparatur jetzt auch schon zwei Jahre her und der Anlasser startet trotz alter Kohlen tadellos jeden Morgen einen 200 D auf der rauhen Alb...

So sieht das dann nackt aus. Mit einem Schleifleinen oder feinen Schleifpapier hab ich das Kupfer auf dem Kollektor geglättet. Jetzt kommt ein ganz wichtiger Schritt: Der Abrieb der Kohlen sammelt sich in den Lamellen des Kollektors und gibt dem Strom eine gute Chance, sich tatenlos wieder zurück zur Batterie zu stehlen. Mit einem Zahnstocher oder, falls vorhanden, etwas Druckluft bläst man den Staub aus den Lamellen und schon hat der Anlasser wieder deutlich mehr Kraft und Drehzahl. Das sind Dinge, welche Dieselfahrer am kalten Morgen schätzen...

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Keine Sorge, die Kohlen kriegt man ohne Beschädigung wieder montiert, dito den Magnetschalter. Etwas Molykotefett unter den kleinen Deckel auf der Rückseite, etwas Fett auf die Gleitbahn des Ritzels und der Anlasser ist wieder fit für ein paar Winter.
Viel Spaß beim Basteln!
Gruß
Eberhard
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