EberhardWeilke schreibt "Es geht uns alle an: Im Rahmen der Feinstaubhysterie werden Maßnahmen eingeführt, die massive Auswirkungen auf die Bürger haben.
Ein Positionspapier.
Bevor es zu einem Missverständnis kommt: Selbstverständlich sind wir, wie ein
großer Teil der Altautofahrer, dafür, eine möglichst lebenswerte und gesunde
Umwelt zu schaffen, zu der natürlich auch eine saubere und möglichst unbelastete
Atemluft gehört! Beleg dafür ist, dass schon vor mehr als zwanzig Jahren von Autoenthusiasten
versucht wurde, Nachrüstkatalysatoren für Altautos zu entwickelt und es heute zahlreiche
alte Fahrzeuge gibt, die zuverlässig Abgasnormen erfüllen, die erst eineinhalb
Jahrzehnte nach ihrer Herstellung in Kraft traten! Dabei handelt es sich nicht
um Einzelstücke. Alleine vom Nachrüstpapst Paul Wurm wurden mehr als 30 000
Fahrzeuge auf aktuelle Schadstoffnormen nachgerüstet, einige Fahrzeuge erreichen
die Einstufung nach D3 oder sogar D4-Norm!
Es hat aber derzeit ganz den Anschein, als würde das Thema „Feinstaub“ in erster
Linie nicht die Luft verschmutzen, sondern die Sinne unserer kommunalen Entscheidungsträger
vernebeln. Da wird in unglaublichem Maße unsachlich diskutiert und man stellt
fest, dass bei der Erstellung der Maßnahmenkataloge Schritte geplant werden, die
faktisch von geringster Auswirkung auf die Feinstaubbelastung sind, dafür aber
von sehr großer Auswirkung auf das Leben eines beträchtlichen Teiles der Bevölkerung.
Deshalb wollen wir ein paar Fakten sammeln und die Problematik an praktischen
Beispielen illustrieren. Wir müssen uns mit der Situation auseinandersetzen, dass in die Mobilitätsbedürfnisse
sehr großer Bevölkerungsschichten massiv eingreifen wird. Oder bildhaft ausgedrückt:
Wir müssen uns dafür einsetzen, dass nicht nur die Oldtimerfahrer in Ruhe am
Sonntag zu einem Treffen in die Stadt fahren können, sondern dass auch der Rentner
von nebenan seinen zwanzig Jahre alten Golf legal zwischen Küche, Kirche und Karstadt bewegen kann! Es gilt zu vermeiden, dass der Berufspendler, der mit seinem Gebrauchtwagen
zu seiner Arbeitsstelle pendelt oder der kleine Handwerker, der seine Firma
und seinen älteren Lieferwagen gerade so am Laufen hält, zu Ausgaben genötigt
werden, die sie sich heute nicht mehr leisten können.
1.) Wie ist die derzeitige Situation?
Die derzeitige Situation sieht so aus: Nachdem das Thema „Feinstaub“, „Feinststaub“,
„PM10-Immissionen“ mehrere Jahre von der Gesetzgeberseite geflissentlich ignorierte
wurde und die deutsche Automobilindustrie, im Gegensatz zu den französischen
Nachbarn, von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen lieber nichts wissen wollte,
stellt man Anfang 2005 völlig überrascht fest, dass da eine schon 1999 beschlossene
EU-Richtline 99/30/EG vorliegt, die ab dem 1. Januar 2005 ein Überschreiten
des 24-Stunden-Mittelwert für PM10 von 50 µg/m³ nur noch an 35 Tagen pro Jahr
erlaubt. Wird die Anzahl der Tage überschritten, sind von den lokalen Behörden
Aktionspläne vorzulegen, wie die Feinstaubbelastung verringert werden kann.
Diese Aktionspläne lagen natürlich nicht vor. So hatten Bürger die
Rechtsgrundlage, gegen diesen Missstand zu klagen. Das war den Behörden unangenehm.
Deshalb mussten Aktionspläne und Maßnahmenkataloge erstellt werden, und zwar
flott. Und dementsprechend, wie mit heißer Nadel gestrickt, sehen die jetzt
aus. Wie wenig plötzlich das Thema jedoch auf uns zugekommen ist, kann man daran
sehen, dass der „Sachverständigenrat für Umweltfragen“ das Thema Feinstaubbelastung
schon 1994 behandelt hat. Und wie wenig glücklich man dort über die derzeitige
Entwicklung ist, kann man deren aktuellem Text „Feinstaub durch Straßenverkehr-
Bundespolitischer Handlungsbedarf Stellungnahme“ vom Juni 2005 entnehmen:
Seite 1:
„Ebensowenig ist die deutsche Automobilindustrie ihrer besonderen Verantwortung
für die Reinhaltung der Luft gerecht geworden. Zu lange hat sie sich einer serienmäßigen
Einführung der Dieselrußfiltertechnik verweigert. Die jetzigen Bemühungen um
die zeitnahe Einführung des Dieselrußfilters wie auch die eilig betriebene Luftreinhalte-
und Aktionsplanung der Länder, Kreise und Gemeinden kommen um Jahre zu spät....
Nachdem die langfristige Minderungsstrategie des Gemeinschaftsrechts nicht umgesetzt
wurde, besteht nunmehr offensichtlich die Gefahr, dass an die Stelle der ursprünglich
intendierten planvollen Einwirkung auf das Verkehrsgeschehen und die Abgasreinigungstechnik
ein unangemessener Aktionismus tritt und dabei die erforderlichen strukturellen,
langfristigen Maßnahmen wiederum nicht eingeleitet werden.“
Dem ist nichts hinzuzufügen.
2.) Was ist geplant?
Die Städte entwickeln Maßnahmenkataloge, die vom Fahrverbot für Fahrzeuge bestimmter
Schadstoffklassen über Allgemeinplätzen wie „Förderung des Nahverkehrs“ bis
zu „Ausbau der Radwege“ alles mögliche enthalten. Im Luftreinhalteplan der Stadt
Leonberg wird beispielsweise vorgeschlagen, die Parkgebühren in der Innenstadt
auf 5 Euro für die Stunde zu erhöhen. Was der Handel in der Innenstadt, der
schon jetzt im starken Wettbewerb zu den Großmärkten auf der grünen Wiese steht,
von dieser Maßnahme hält, bleibt abzuwarten...
In Ludwigsburg kam man auf die Idee, in Zusammenarbeit dem Filterhersteller
Mann & Hummel Luftreinigungsanlagen für einen Feldversuch an einer Hauptverbindungsstraße
aufzustellen, die den Feinstaub aus der Luft filtern sollten. Nachdem eine geringe
Verringerung der Feinstaubwerte sich auf eine Fläche von 20 qm um das Gerät
herum beschränkte, hat man die Energiefresser kleinlaut wieder abgebaut.
Der Sachverständigenrat sprach von „unangemessenem Aktionismus“? Man meint fast,
die Kommunen hätten etwas zu beweisen.
Natürlich gab es in den Aktionsplänen auch sinnvolle Ansätze, die Emissionsbelastung
zu verringern.
Man könnte den Nahverkehr ausbauen. Man könnte Umweltkarten einführen, so dass
die Leute vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Man könnte die Radwege attraktiver
gestalten. Doch all dies kostet Geld, Geld, das die kommunalen Kassen gerade
nicht haben.
Darum nahm man sich fürs erste den Straßenverkehr vor.
In Stuttgart wurde deshalb beispielsweise für Lastkraftwagen über 12 Tonnen
ein stadtweites Fahrverbot für den Durchfahrtsverkehr ausgesprochen. Dass der
dadurch entstandene Verlagerungseffekt erstens das Gesamtaufkommen an Feinstaub
erhöhte (da ja mehr gefahren wird) und zweitens den Verkehr an den noch freigegebenen
Durchgangsstrecken sowie in den Umlandgemeinden deutlich verdichtete, ist ein
nicht wegzudiskutierender Nebeneffekt.
Doch es bleibt nicht beim gewerblichen Güterkraftverkehr, auch für die Personenwagen
hat man sich etwas ausgedacht.
PKW werden in Zukunft in fünf Schadstoffgruppen eingeteilt.
Schadstoffgruppe 1: Dieselfahrzeuge Euro 1 (und schlechter) sowie alle
Benziner ohne Katalysator
Schadstoffgruppe 2: Dieselfahrzeuge Euro 2
Schadstoffgruppe 3: Dieselfahrzeuge Euro 3
Schadstoffgruppe 4: Dieselfahrzeuge Euro 4
Schadstoffgruppe 5: Dieselfahrzeuge Euro 5 sowie alle Benziner mit Kat nach
mindestens Euro 1 sowie alle Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor.
Durch Nachrüstung eines Partikelfilters kann sich ein Diesel jeweils um eine
Gruppe verbessern, wenn er da dann die Grenzwerte für Partikelemissionen
dieser Klasse erreicht. Gekennzeichnet werden die Autos durch gebührenpflichtige
Plaketten, die man hinter die Windschutzscheibe klebt.
Nicht klassifiziert und auch nicht von Fahrverboten bedroht sind übrigens Motorräder.
Das Bundesumweltministeriums begründet diese Ausnahme so: Es gibt nur 5,5 Millionen
Motorräder, davon ca. 5500 mit Dieselmotor, sie „...leisten aufgrund ihres geringen
Anteils an der Jahresfahrleistung am Straßenverkehr nur einen vergleichsweise
geringen Beitrag zu den Partikelemissionen“ (4) Seite 22f..
Um zu unserem Beispiel vom Anfang zurück zu kommen: Wenn unser Rentner nicht
mit seinem Golf zur Kirche darf, dann muss er sein Motorrad nehmen...
Auf Basis der Schadstoffgruppen können die Gemeinden dann Fahrverbote verhängen.
Die Stadt Stuttgart ging mit schlechtem Beispiel voran und verhängt ab 1. Juli
2007 für alle Fahrzeuge der Schadstoffklasse 1 ein Fahrverbot in der „Umweltzone“.
Das wird alle Benziner ohne Kat betreffen sowie alle Diesel nach Euro 1 ohne
Partikelfilter. Das betrifft die meisten Diesel mit einer Erstzulassung vor
dem 1. Januar 1996. Sicherlich, es wird Nachrüstlösungen für Partikelfilter
geben. Wenn von einem Fahrzeug noch ein nennenswerter Bestand vorhanden ist,
so dass sich die Entwicklungskosten amortisieren können. Wer aber einen exotischen
Diesel fährt, hat einfach Pech gehabt. Sein Fahrzeug darf die "Umweltzone" nicht mehr befahren. Er darf es außerhalb der "Umweltzone" abstellen und zu Fuß nach Hause gehen. Besonders nachts und an Wochenenden wird der Nahverkehr wohl keine Alternative zum Fußmarsch bieten. Denken wir an den Rentner von nebenan oder den Familienvater mit seinem älteren Kleinbus...
3.) Welche Auswirkungen hat dies auf die Altautoszene und unsere Wirtschaft?
Jede Menge. Und zwar nicht alleine wegen der Fahrverbote. Nicht deshalb, weil
man als Altautofahrer wie das vermeintlich größte Umweltschwein dasteht. Auch nicht deshalb,
weil das eigene Auto auf einmal einen rapiden Wertverlust mitmachen wird und
die ganze investierte Leidenschaft und Arbeit plötzlich keinem Gegenwert mehr gegenüber steht.
Nein, es geht um Arbeitsplätze, es geht um die Notwendigkeit, Geld für Dinge
auszugeben, für die man kein Geld ausgeben will (und kann) und es geht um den
Standort Deutschland. Und letztendlich geht es darum, dass aus einem willkürlichen
Akt heraus Millionen von Mensch massiv ins Privatleben eingegriffen wird, ohne
dass ein messbarer Effekt auf die Luftqualität eintreten wird.
Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass mit der Pflege, der Reparatur,
dem Handel von klassischen Automobilen in Deutschland ca. 4,5 Milliarden Euro
Umsatz gemacht wird. Diesen Umsatz machen hauptsächlich kleine und mittelständische
Betriebe, die ihre Abgaben hier zahlen und auch ihre Gewinne hier im Land versteuern,
normalerweise keine Subventionen bekommen, die häufig Jugendlichen eine Ausbildungsmöglichkeit
geben und auch sonst genau die Dinge tun, die unser Land einmal wirtschaftlich
am Laufen gehalten haben.
Die geplanten Fahrverbote werden zur Folge haben, dass viele Leute gezwungen
sind, ihr altes Auto (egal ob Diesel oder Benziner) aufzugeben und sich nach
einem neuen Auto umzusehen. Und wie schon eingangs erwähnt: Das betrifft nicht
nur Oldtimer- und Youngtimerfahrer, das betrifft praktisch Millionen von Bürgern, die
in Ballungsräumen leben und ein noch verhältnismäßig neues Auto fahren, das
aber die willkürlichen Anforderungen der Schadstoffklassen nicht erfüllt. Da der Durchschnitt der Bevölkerung (vor allem die,
die auch alte Autos fahren) nur über ein normales Einkommen und über ein normal
gefülltes Sparbuch verfügen, werden sie nicht
die Verkaufsräume der deutschen Hersteller belagern und einheimische Produkte
kaufen können, sondern sich, wenn überhaupt, eher den ausländischen Billigherstellern aus Korea, Rumänien
oder Polen zuwenden. Das freut zwar die Leute in Bupyong, Gleiwitz oder Pitesti,
kurbelt aber die Binnenkonjunktur nicht an und bringt uns am Standort
Deutschland deshalb auch nicht voran. Stattdessen wird ein bisher
gut laufender Wirtschaftszweig geschädigt und die Bürger zu Ausgaben gezwungen,
die sie sich nicht leisten wollen und können. Den Staat wird dies
übrigens auch finanziell treffen: Der Steuersatz für Euro 1-Fahrzeuge ist etwa
doppelt bis dreifach so hoch, wie der für Euro 4-Fahrzeuge. Wenn man noch berücksichtigt,
dass die Motoren heute -abgesehen von Exzessen in der Oberklasse- eher kleiner
werden, kann es hier zu einem Steuerrückgang führen. Zwar wird einmalig die Mehrwertsteuer des Neuwagenpreises einbehalten, jedoch stehen dem die niedrigere Kraftfahrzeugsteuer und, da alte Autos tendentiell einen höheren Verbrauch haben, verminderte Mineralölsteuer- und darauf liegende Mehrwertsteuereinnahmen gegenüber.
Allerdings hat der Bürger nichts davon, da ja durch die Feinstaubhysterie der
Wert seines Fahrzeugs stark vermindert wurde und er stattdessen ein Mehrfaches
von seiner früheren Steuerbelastung zur Leasing- oder Finanzierungsbank bringt.
Können wir uns solche wirtschaftlichen Impulse derzeit erlauben?
4.) Welche Auswirkungen haben "Umweltzonen" auf die Umwelt und die Feinstaubbelastung?
Keine. Beziehungsweise fast keine.
Laut den VDI-Nachrichten hat der TÜV Süddeutschland festgestellt, dass eine
sofortige Ausrüstung alle PKW und Nutzfahrzeuge mit Feinstaubfiltern die Feinstaubbelastung um ca. 5 % senken würde(5).
„Seit Beginn der systematischen Messungen in den 60er Jahren war die Luft
nie so sauber wie heute, sagte Prof. Peter Bruckmann, Leiter der Abteilung Luftüberwachung,
Radioaktivität, Geräusche im Landesumweltamt (LUA) Nordrhein-Westfalen (NRW)
gegenüber den VDI nachrichten. Die Belastung durch Schwefeldioxid sei um Faktor
10 zurückgegangen, es seien zwei Drittel weniger Staub und 90 % weniger Schwermetalle
in der Luft. Vor diesem Hintergrund werde die aktuelle Diskussion um Feinstaub
deutlich überhitzt geführt.“(5)
Betrachten wir uns deshalb die Quellen des Feinstaubs:
Feinstaub stammt aus der Industrie, aus Heizungen, aus Schüttgutumschlag, aus
der Natur (Pollen, Saharastaub, Meeresgischt etc.), vom Schienenverkehr, aus
Zigarettenrauch und sogar aus Weihrauchfässern und Altarkerzen.
Eine Feinstaubquelle ist in der Tat der Straßenverkehr. Während er im ländlichen
Bereich eine geringe Rolle spielt, steigt der Anteil an straßenverkehrsinduziertem
Feinstaub in der Stadt auf bis zu 50 %. Dabei setzt er sich zusammen aus ca.
40 % antriebsinduziertem Feinstaub und zu 60 % aus nicht antriebsinduziertem
Feinstaub, wie Brems-, Reifen- und Kupplungsabrieb.
Um die Gesamtbelastung mit Feinstaub zu reduzieren, was ja gewünscht und notwendig
ist, sind deshalb ein ganzes Bündel an Maßnahmen denkbar:
- sofortiges Rauchverbot in Räumen:
Einen Großteil der Zeit verbringt der Mensch in Gebäuden, beispielsweise am
Arbeitsplatz. Es ist schlichtweg bizarr, dass hier bis zur zehnfachen Überschreitungen
der Feinstaub-Grenzwerte hinzunehmen sind.
- schnellstmögliche Pflicht für Partikelfilter in neu zugelassenen Dieselfahrzeugen:
Dieser Teil der Fahrzeugflotte erbringt durchschnittlich die größte Fahrleistung.
Da sie jetzt auch erst am Anfang ihres Einsatzzyklus stehen, wird mittelfristige
die größtmögliche Reduzierung der antriebsinduzierten Emissionen möglich sein
- schärfere Grenzwerte und Kontrollen für Hausbrandanlagen, insbesondere Holzpelletheizungen.
- erheblich verbesserte Förderung und Abschreibungsmöglichkeiten für Solaranlagen
und Wärmepumpen zur Substituierung von Öl-, Holz- und Kohleheizungen im Hausbrand.
Hier schlummern in Deutschland (ganz im Gegensatz zu beispielsweise der Schweiz
oder Österreich) noch unendliche Potentiale.
- erhebliche Verbesserung und Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs. Er ist
immer noch in weiten Teilen unattraktiv, teuer und nicht an die Verkehrsströme
angepasst. Stattdessen lässt sich ein namhaftes Eisenbahnunternehmen in Süddeutschland
inzwischen den Diesel für ihre Triebwagen per LKW über die Straße anliefern...
- attraktive Tarifgestaltung für den Bahn-Fernverkehr. Eine Einzelfahrkarte
Stuttgart – Lindau ist derzeit fast so teuer wie die Treibstoffkosten für eine S-Klasse der 70er Jahre für diese Strecke.
- bei der Neubeschaffung von Bussen und Kommunalfahrzeugen die Bevorzugung von
Erdgasfahrzeugen bzw. Partikelfiltern in Dieselfahrzeugen. Und zwar im Rahmen
der Ersatzbeschaffung. Die Kommunen sind jetzt schon finanziell gebeutelt genug.
- allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung in den Städten auf 30 km/h. Zu jeder
Zeit, für jedes Fahrzeug, auf jeder Straße. Das verringert sowohl die Abgase
als auch Brems- und Kupplungsabrieb und reduziert die Aufwirbelungen.
- finanzielle Anreize für Flottenbetreiber wie Paketzustellfirmen, Taxiunternehmer,
Pizzadienste bei der Neubeschaffung auf Erdgasfahrzeuge oder Diesel mit Partikelfilter
zu setzen.
- Eindämmung von Billigfliegern für Flüge innerhalb Deutschlands. Diese
Transportform profitiert von steuerfreiem Treibstoff, von den Kommunen subventionierter
Infrastruktur und verursacht hohen Energieverbrauch bei hohem Schadstoffausstoß.
Es gäbe also genug zu tun. Es passiert nur leider nichts. Stattdessen wird,
in hektischem Aktionismus, mit Fahrverboten herumexperimentiert, mit weitreichenden
Folgen für den Einzelnen, aber geringsten Auswirkungen auf die Umwelt. Dass
dies nicht eine einseitig Sichtweise von Autoliebhabern ist, ließ
sich sehr gut im Februar 2006 beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Georg
W. Bush in Mainz beobachten. Obwohl ein weiträumiges und scharf kontrolliertes
Fahrverbot für den Straßenverkehr verhängt wurde, war ein Rückgang der Feinstaubbelastung nicht
messbar.
So äußerte sich Dr. Michael Weissenmayer, Landesumweltamt Rheinland-Pfalz, gegenüber
der Redaktion des Magazins „Fakt“ des MDR(6):
"Wir haben uns auf Grund der umfangreichen Verkehrssperrungen in der Region
Mainz/ Wiesbaden schon eine deutliche Reduzierung der Feinstaubbelastung versprochen.
Die Verkehrsreduzierung konnte ganz klar an Hand der Stickoxidwerte hier an
Hand des Stickstoffmonoxids nachgewiesen werden. Hier waren die Konzentrationen
an dem Tag sehr gering. Die Feinstaubbelastung zeigte jedoch keine Reaktion."
Die Luftbelastung mit Feinstaub hängt von vielen Faktoren ab. Der Straßenverkehr ist einer davon. Doch mit kleinräumigen Fahrverboten kann man, wie eindrucksvoll bewiesen wurde, kaum etwas an dem Feinstaubausstoß verbessern. Daher sind entsprechende Regelungen schlichtweg wirkungslos und unsinnig. Ihre einzige Folge ist die Gängelung der Autofahrer.
5.) Was bleibt zu tun?
Die Gesetze, Aktionspläne, “Umweltzonen“ sind in der Zielgeraden und werden
so beschlossen. Die einzige Möglichkeit, den Wahnsinn zu stoppen, wird eine
Klage über den Verwaltungsweg sein, sobald ein Bürger von diesen willkürlichen
Regelungen betroffen ist. Hier wird der einzelne wenig ausrichten können. Daher
ist es umso wichtiger, dass in Musterprozessen diese Gesetze gekippt werden.
Diese Prozesse werden Geld kosten, hier gibt es erste Initiativen, „Kriegskassen“
zu füllen und dann die Sache beherzt anzugehen. Die wohl bekannteste Initiative
ist die „Initiative Kulturgut Mobilität“ unter http://www.kulturgut-mobilitaet.de.
Genauso wichtig ist es jedoch, die Mitbürger zu informieren, Streitgespräche
zu führen, seinem Abgeordneten schreiben. Unsere Nachbarn, Eltern, Kollegen,
Sportkameraden müssen verstehen, dass es hier nicht um einen Spleen weniger
Privilegierter geht, die mit ihren Oldtimern ungestört durch die Stadt tuckern
wollen, sondern dass kleinen Gewerbebetrieben, Rentnern, Leuten mit weniger
Einkommen eine zusätzliche Belastung aufgebürdet wird, ohne dass die Umwelt
davon irgend einen signifikanten Nutzen hat.
Wir müssen jetzt zusammen stehen, damit wir nächstes Jahr nicht zur letzten
Konsequenz greifen müssen: Dem zivilen Ungehorsam. Denn der wird leicht fallen,
Bußgelder oder sonstige Sanktionen hat man bisher vergessen, festzulegen...
Wie weit der Wahnsinn inzwischen fortgeschritten ist, lässt sich an diesem Zitat
aus dem „Luftreinhalte-/Aktionsplan für den Regierungsbezirk Karlsruhe“ vom
März 2006 gut illustrieren:
„Die Fahrverbote sind auch verhältnismäßig. Die zu erwartende Kennzeichnungsverordnung
ist an den europäischen Abgasstandards, den Euronormen, orientiert. Dabei haben
sich zwar die realen Emissionen der einzelnen Fahrzeuggruppen als inkonsistent
erwiesen ..., so dass teilweise die Fahrzeuge mit höheren Euronormen mehr emittieren
als Fahrzeuge einer niedrigeren Eurostufe. Allerdings sind die Fahrzeuge, die
höhere Euronormen einhalten, jünger und stärker im Bestand vertreten als die
Fahrzeuge niedrigerer Euronorm. Außerdem wurden die Fahrzeuge im Vertrauen darauf
angeschafft, dass sie weniger Schadstoffe emittieren. Eine Ausweitung der Fahrverbote
auf Fahrzeuge der Euronorm 3 kommen daher zum jetzigen Zeitpunkt aus Verhältnismäßigkeitsgründen
nicht in Betracht.“
Beim besten Willen. Mit Regelwerken, die solchen Nonsens enthalten, möchten
wir uns nicht in das Leben reden lassen.
gezeichnet
Eberhard Weilke, Marketingassistent, Plochingen
Dr.-Ing. Hans-Christian Schneider, Materialwissenschaftler, Karlsruhe
Thomas John, Mediengestalter, Köln
Christian Dannert, Duesseldorf
Bernhard Ramstötter, Architekt, Nürnberg
Sascha Roek, selbstständig, Berlin
Markus Wagner, Elektroniker, Neckartailfingen
Benjamin Conrad, Münster
Sebastian Sattler, Köln
Stefan Schorlemmer, Unternehmer, Münster
Tobias Burger, Werbetexter, Hamburg
Jürgen Piesche, Informatiker, Darmstadt
Hans-Christian Walther, Darmstadt
Enzo Bacigalupo
Carsten Rempka, Berlin
Wolfgang Schmenger, Elektroniker, Landau
Manuela Junge, selbstständig, Landau
Florian Schlenker, Jurist, Tübingen
Linkliste: Definition von Feinstaub in der Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Feinstaub#Europ.C3.A4ische_Union
(1)EU-Richtlinie 99/30/EG:
http://europa.eu.int/eur-lex/pri/de/oj/dat/1999/l_163/l_16319990629de00410060.pdf
(2)Stellungnahme des „Sachverständigenrat für Umweltfragen“:
http://www.umweltrat.de/03stellung/downlo03/stellung/Stellung_Feinstaub_Jun2005.pdf
(3)Luftreinhalteplan Leonberg
http://www.rpbwl.de/stuttgart/files/luft/rps-ref541-luftrein-leon.pdf
(4) Verordnung des Bundesumweltministerium zur Schadstoffgruppeneinteilung
http://www.bmu.de/files/luftreinhaltung/feinstaub/application/pdf/verordnung_emissionsarm.pdf
(5) Rückgang durch Partikelfilter
http://www.vdi-nachrichten.com/vdi_nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?source=volltext&cat=2&id=21730
(6)„Fakt“, MDR, zur Feinstaubbelastung am Beispiel des Bush-Besuchs in Mainz:
http://www.mdr.de/fakt/aktuell/2001560.html Feinstaub im Zigarrettenqualm
http://www.vdi-nachrichten.com/vdi_nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?source=volltext&cat=2&id=25635
Feinstaub durch Weihrauch und Kerzen
http://www.morgenwelt.de/index.php?id=155&backPID=155&begin_at=756&tt_news=1044
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